Vente Privée auf Presse-Tour: Gestern war der französische Shopping-Club vor Ort in München und lud zum Journalisten-Treff. Exciting Commerce nutzte die Gelegenheit und traf Club-Gründer Jacques Antoine Granjon zum Exklusiv-Interview.
In einem aufschlussreichen und spannenden Interview verriet Granjon nicht nur interessante Kennzahlen, sondern erläuterte auch sein Verkaufskonzept:
"Es gibt keine Produkte, die wir nicht verkaufen können. Es muss sich lediglich um ein bekannte Marke handeln, auf die wir einen großen Preisnachlass gewähren. Um was für ein Produkt es sich handelt, ist letztlich egal. Wir haben schon erfolgreich Bücher und Tickets verkauft."
Interessant ist vor diesem Hintergrund, dass Granjon ursprünglich gar keine Textilien verkaufen wollte:
"Ich hatte Bedenken, dass uns die Retouren zu viel kosten. Doch das ist nicht der Fall. Vor allem französische und italienische Online-Shopper möchten einfach günstig Markenware kaufen. Und wenn etwas einmal nicht passt, bekommt eben ein Freund das Produkt."
Deutsche Kunden dagegen kosten Vente Privée ein wenig mehr:
"Die Deutschen schicken öfter Retouren zurück. Viele ältere Internetnutzer sind es durch jahrzehntelange Erfahrungen mit dem klassischen Versandhandelgeschäft gewohnt, mehr Artikel zu bestellen als sie ohnehin kaufen wollen."
Wozu bei bis zu fünf parallel laufenden Verkaufsaktionen inzwischen reichlich Gelegenheit ist:
"Als wir vor sieben Jahren anfingen, gab es nur eine Aktion pro Woche. Da war natürlich die Gefahr groß, dass Nutzer leer ausgehen und den Shop enttäuscht verlassen. Wenn heute eine Aktion ausverkauft ist, können Mitglieder dafür bei anderen Verkäufen zuschlagen."
Weswegen ein Woot-Ansatz (ein Verkauf am Tag) für Granjon nicht in Frage kommt:
"Wir müssen für die Marken attraktiv bleiben. Wenn eine Aktion drei Tage andauert, können wir im Idealfall das ganze Sortiment losschlagen. Und wenn nicht dann verkaufen wir vielleicht am ersten Tag 50.000 Artikel, am zweiten Tag noch 5.000 Produkte und am dritten vielleicht noch 2.000 Stück. Das ist aber immer noch besser, als eine Aktion nur einen Tag zu fahren und zu riskieren, dass eine Marke auf 20.000 Artikeln sitzen bleibt."
Überhaupt dreht sich Granjons Verkaufsphilosophie vielmehr um die Markenartikler als die eigenen Kunden:
"Unser erster Ansprechpartner ist die Marke. Wir machen keinen E-Commerce im klassischen Sinn, wo man Produkte einkauft und an Kunden verkauft. Wir wollen für die Hersteller Saisonware und Restbestände schnell, einfach und komplett veräußern."
Das versuchen in Frankreich inzwischen auch zahlreiche andere Dienste, was Granjon aber nicht beunruhigt:
"Wir sind bereits 2001 in Frankreich gestartet und haben gegenüber den Copycats fünf Jahre Vorsprung. Kein anderer Shopping-Club in Frankreich verfügt über 900 Mitarbeiter und kann 1.300 Verkaufsaktionen durchführen. Ich sehe die anderen Clubs daher nicht als Konkurrenten."
Das Fazit: Ein persönliches Gespräch mit Granjon lohnt immer, da der Club-Gründer offen Stellung zu seinem Shopping-Dienst bezieht und auch nicht um das ein oder andere knackige Statement verlegen ist.
Interessenten sei daher noch einmal der kommende Pangora-Kongress in München ans Herz gelegt, wo Granjon als Hauptredner auftreten wird.
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